Meditation und Stille

Den Geist zur Ruhe kommen lassen. Nicht denken. Wenn sich doch ein Gedanke einschleicht, ihn begrüßen, "Hallo Gedanke", und ihn wieder ziehen lassen. Wieder zum Nichts zurückkehren. Einatmen. Ausatmen. Was hier so einfach klingt, ist für ungeübte Geister mächtig schwer. Unsere Gedanken hüpfen den ganzen Tag wie ein Affe von Baum zu Baum. Ständig schießt uns etwas in den Kopf, wir schweifen ab, können uns nicht richtig konzentrieren, verzetteln uns. Oder das Abschalten fällt uns schwer. Nach einem vollem Tag machen die Gedanken weiter Lärm im Kopf. Meditation ist die Kunst, Stille in die Gedanken zu bringen. Mittlerweile hat sich auch die westliche Wissenschaft dem Thema angenommen und festgestellt: Regelmäßiges Meditieren hilft. Bei der der Konzentration und bei der Entspannung, aber nicht nur da. Menschen werden ausgeglichener und empathischer, wenn sie regelmäßig meditieren. Aggressionen verflüchtigen sich. Es ist für uns stressgeplagte Menschen nicht einfach, das Meditieren zu lernen. Aber es geht. Wichtigste Voraussetzung: Der Wunsch nach Stille.

Stille lernen in lauten Zeiten

Unsere Welt ist LAUT. Wir sind von fiesen Geräuschen umgeben. Kaum ein Ort, wo nicht menschengemachter Krach zu hören ist. Wir denken, wir hätten uns daran gewöhnt. Pustekuchen. Unser Gehirn macht uns da nur was vor. Es tut so, als würde all der Krach am Tag und in der Nacht uns gar nicht weiter jucken, weil wir es einfach nicht mehr hören. Aber würden wir mal hineinschauen in unser Gehirn, wir würden schnell sehen: Das stimmt nicht. Unsere Welt erzeugt Stress, Lärm erzeugt Stress, also steigt der Stresspegel im weiter an. Konzentrieren klappt schlecht, Schlafen klappt noch schlechter. Weil die Tiefschlafphasen nicht so tief sind, wie sie eigentlich sollten. An besonders hektischen Orten, in Innenstädten, an Flughäfen, gibt es mittlerweile Räume der Stille. Plätze, wo Menschen sich für einen Moment zurückziehen können, zur Ruhe kommen. Tja, wenn da nur nicht die anderen Menschen wären, die so etwas Schönes auch suchen. Die aber leider gar nicht mehr in der Lage sind, wirklich still zu sein. Die in den Raum reinplatzen, ihre Einkaufstüten auf den Boden schmeißen, sich mit einem deutlich vernehmbaren Seufzer in die Stühle fallen lassen um sich dann von dieser Anstrengung geräuschbehaftet ersteinmal erholen zu müssen. Manchmal habe ich den Verdacht, wir haben sie verlernt: Die Kunst der Stille.

Das Gehirn glaubt, was man ihm sagt

Sich auf einen Gedanken zu konzentrieren, hat den großartigen Vorteil, nicht gleichzeitig andere Gedanken denken zu können. Somit sorgt auch die Fokussierung auf einen Satz für ein paar Minuten Ruhe im Karton. So ein Ruhe-im-Karton-Satz kann viele Formen haben. Manchmal geht es um das doch oft recht angespannte Verhältnis zu sich selbst, was ein bisschen aufmunterndes Vorsichhinmurmeln gut vertragen kann: Ich bin ok so, wie ich bin. Vielleicht mag es auch darum gehen, ein paar unliebsame Nebenerscheinungen - Ängste, Zweifel - zu vertreiben: Ich bin voller Zuversicht. Jetzt könnte man sagen: Pah, da mach ich mir doch was vor, wenn ich da einfach nette Dinge vor mich hinmurmel! Stimmt. Und das schöne daran: Das Gehirn kann irgendwann gar nicht anders, als es zu glauben.